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Kunst Design Wissenschaft

Materialpreis

Im künstlerischen Experiment zum Unikat

Von Sven Wüstenhagen

Komplexe Prozesse erfordern die parallele Steuerung von Prozessparametern, um reproduzierbare Ergebnisse zu erreichen. Wissenschaftlich empirische Studien basieren auf strategischer Planung mit klar definierten Zielvorgaben und erfordern eine hohe Disziplin in der Versuchsdurchführung.

Auch das Schachspiel ist ein komplexer Vorgang, Prozesse werden simultan analysiert und gesteuert um ein klares Ziel zu erreichen. Es gilt Muster zu erkennen und durch den Wechsel des Betrachtungsstandpunktes auch ungewohnte Aspekte in die Spielstrategie einzubeziehen. Ist das Regelwerk vom Spieler verinnerlicht, erfolgt die Bewertung von Spielmustern und Varianten sehr intuitiv. Während jederzeit die Ahnung vom Verpassen der „richtigen Lösung“ aufkommen kann scheint doch die Freude am intuitiven Entscheiden stets zu überwiegen. Es ist also neben der selbstmotivierten Einschätzung stetig wechselnder Situationen auch Gelassenheit notwendig, um neue Lösungen zu generieren.
Und scheinbar im Spaziergang sind der Künstlerin Podewski die Schritte zur Herstellung von Porzellanschäumen gelungen.
Scheinbar wie in der Anfangszeit der 300 jährige Entwicklungshistorie dieses weißen Materials für Geschirr und Tischgerät, wurden im ersten Schritt Fremdmaterialien in die Porzellanmasse eingearbeitet. Es entstanden offenzellige Schaumstrukturen durch den Ausbrand diverser Platzhalter – Partikel. Unkontrollierter Schrumpf, möglicherweise verbleibende Rückstände und provozierte Eigenspannungen im Material wurden auf Kosten der Reproduzierbarkeit bewusst in Kauf genommen, da das Unikat zum Ziel gesetzt war.
Dies stellt einen radikalen Gegensatz zu industriell noch üblichen Prozessen dar. Nicht die durchgesteuerte Optimierung von Mischungsverhältnissen und Phasenwechseln, sondern ein Ansatz zur Selbstorganisation wurde gesucht und kultiviert. Die Wahl der Ausbrandmaterialien scheint im Kontrastverständnis künstlerischer Intuition begründet – eher nach ästhetischen Kriterien als anhand physikalischer Parameter ausgewählt.

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